Maria Hilf: Erhalten oder aufgeben?

Geretsried – Es war ein emotionaler Abend. Die Zukunft der Kirche Maria Hilf bewegt zahlreiche Geretsrieder sichtlich. Gut 100 Besucher verfolgten den Infoabend im Pfarrheim mit großem Interesse. Es ging um die Frage, ob das Gotteshaus mit dem Kaputten Dach aufgegeben oder erhalten werden soll. Entschieden wurde das am Dienstagabend nicht. Das muss die Kirchenverwaltung in Kürze.
Dach kann jede Zeit Einstürzen
Die Pfarrkirche Maria Hilf ist seit November 2024 gesperrt. Der Klebstoff in der Dachkonstruktion, eine Harnstoff-Leimverbindung, verliert seine Haftfähigkeit schlagartig. „Das kündigt sich nicht an“, erklärte Pfarrer Andreas Vogelmeier und stellte beim Blick in die große Runde fest: „Dass so viele gekommen sind, zeigt, dass das Thema vielen unter den Nägeln brennt.“ Dann übergab er an Judith Müller und Christian Vidovic von der kirchlichen Organisationsberatung und Gemeindeberatung in der Erzdiözese München und Freising, die den Abend moderierten.
Zunächst ging die Verwaltungsleiterin der Stadtkirche, Hedwig Sesto, auf aktuelle Entwicklungen sowohl in der Erzdiözese als auch in der Stadtkirche Geretsried ein. „Vor 20 Jahren hätten wir für unser kaputtes Kirchendach einfach einen Bauantrag gestellt, und er wäre sofort genehmigt worden, aber das geht heute nicht mehr so leicht“, sagte sie. Die Zahl der Katholiken sinkt. Gab es in der Pfarrei Maria Hilf 1970 noch rund 6000 Katholiken, sind es heute nur noch etwa 3500. „Unsere Pfarrheime, Kirchen und anderen Gebäude sind für die Menge konzipiert, die wir 1970 waren”, so die Verwaltungsleiterin. Somit sinken auch die Kirchensteuereinnahmen, was weniger Geld für die Stadtkirche bedeutet. Dem gegenüber stehen steigende Kosten für Heizung, Strom oder Personal. „Was machen wir also mit den Gebäuden, die nicht mehr gebraucht oder nicht mehr unterhalten werden können?“
Dafür gibt es das Projekt „Immobilien und Pastoral“ der Erzdiözese. Das Ziel ist es, die Gebäudezahl an die pastoralen Bedarfe anzupassen und so die Baulast der Pfarreien zu reduzieren. Denn die wenigen Zuschüsse, die es noch gibt, müssen mit vielen anderen Pfarreien geteilt werden.
Ein neues Dach für Maria Hilf würde gut 1,8 Millionen Euro kosten. Der Bauantrag wurde jedoch vom Strategischen Vergabeausschuss wie berichtet vorübergehend zurückgestellt. Stattdessen hat die Stadtkirche den Auftrag erhalten, ein zukunftsfähiges Gebäudekonzept zu erstellen. Dafür haben sich Mitglieder der beiden Kirchenverwaltungen, Vorsitzende des Stadtkirchenrats, das Pastoralteam, die Leitung der Stadtkirche sowie zuständige Fachstellen des Ordinariats verschiedene Kirchen in Geretsried angeschaut. Unter anderem die Heilige Familie, Maria Hilf, die evangelische Petruskirche, die Kapelle St. Hedwig oder auch die Nikolauskapelle besichtigte die Gruppe.
Verschiedene Möglichkeiten
Daraus resultierten verschiedene Überlegungen, die Vogelmeier aufzeigte. Beide Standorte aufzugeben und ein neues Pfarrzentrum in der Stadtmitte zu errichten, sei keine Option. „Das würde mindestens 40 Millionen Euro kosten.“ Sich auf nur ein Pfarrzentrum zu konzentrieren, fällt auch weg. „Geretsried braucht durch seine Größe zwei Pfarrzentren.“ Schließlich blieb nur, die Kirche Maria Hilf aufzugeben und den Pfarrsaal als liturgischen Ort zu nutzen, oder – und diese Option wurde mit Applaus und Jubelrufen quittiert – das Kirchendach neu zu bauen. Dann würde die Stadtkirche jedoch keine finanzielle Unterstützung seitens des Ordinariats zum Erhalt des Pfarrheims bekommen. „Wenn wir das Dach machen, dann war’s das mit dem Geld“, so der Geistliche.
Mitglieder des Pfarrkirchenrats stellten im Anschluss Argumente für beide Varianten vor. Wird das Dach neu gebaut, bliebe Maria Hilf als Fixpunkt in der Stadt erhalten, und es gäbe einen Raum für feierliche Liturgie. Wird das Pfarrheim liturgischer Ort, stärke dies das Gemeinschaftsgefühl, da weniger Bänke leer bleiben. Unklar bleibt, was mit dem Grundstück geschieht, wenn Maria Hilf aufgegeben wird, oder wie viel Geld für die Ertüchtigung des Pfarr-heims zur Verfügung steht.
Dann hatten die Gläubigen das Wort. Eine Zuhörerin erklärte mit brüchiger Stimme, es würde sehr schmerzen, die Kirche aufzugeben. Ein Gast wollte wissen, ob das Ordinariat das neue Dach komplett zahlen würde. „Mindestens 15 Prozent müssten wir selbst stemmen“, antwortete Sesto. Die Entscheidung liegt nun bei der Kirchenverwaltung, auch wenn die Besucherinnen und Besucher sich klar pro Dacherneuerung geäußert hatten. „Die Entscheidung nimmt uns keiner ab“, so Vogelmeier. Judith Müller stellte klar: „In fünf Jahren darf man sich dann nicht wundern, wenn kein Geld mehr fließt.“ Für die meisten war die Veranstaltung nach eineinhalb Stunden nicht zu Ende, sie diskutierten noch lange weiter.
Elena Royer
